Sarrazin halt’s Maul!

If Nothing Goes Right Go Left
RassistInnen kein Podium bieten!

Heute findet im NOZ-Medienzentrum eine Podiumsdiskussion zu den Themen Migration und Integration statt. Eingeladene PodiumsteilnehmerInnen sind Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, die terre-des-hommes-Chefin Danuta Sacher, der Bielefelder Sozialwissenschaftler Andreas Zick und der, durch seine rassistischen Äußerungen im Bestseller „Deutschland schafft sich ab“, zu zweifelhafter Bekanntheit gekommene Autor Thilo Sarrazin.

Mit RassistInnen diskutiert man nicht!

Indem Menschen, die rassistische Thesen vertreten, eine Plattform geboten wird, wird ihnen Gehör verschafft und deren menschenfeindliches Geschwätz diskussionswürdig gemacht.
Gerade in Zeiten, in denen körperliche und verbale Angriffe auf MigrantInnen und Nicht-Deutsche steigen, Lebensbedingungen für Geflüchtete in Deutschland -nach wie vor- menschenunwürdig sind und RassistInnen mit öffentlichkeitswirksamen Sprachrohren wie Pegida, sowie den „Nein zum Heim“-Bewegungen, oftmals ungehindert hetzen können, ist es unabdingbar, diesem Zustand entgegenzuwirken. ProtagonistInnen wie Sarrazin, die eine prominente und medienwirksame Stimme, des durch alle Bevölkerungsschichten umhergeisternden Rassismus abgeben, ein Podium zu bieten ist definitiv der falsche Weg!

Sarrazin ist scheiße, hier sind die Beweise!

Im Sommer 2010 erschien das von Sarrazin verfasste Buch „Deutschland schafft sich ab“. Hierin knüpft er mit seinen Thesen an die, seit dem Ende des Nationalsozialismus, tabuisierte Tradition der Rassenlehre bzw. politischen Eugenik an. Er bedient sich eines biologischen Rassismus und verbindet ihn mit der modernisierten Erscheinung des Kulturrassismus. So behauptet er beispielsweise, dass muslimische EinwanderInnen genetisch bedingt dümmer –“bildungsferner“ – seien. Intelligenz sei nämlich zu 50 bis 80 Prozent vererbbar, was für ihn – neben der bei ZuwanderInnen attestierten Faulheit – ein Grund für die fehlgeschlagene Integration und eine Gefahr für Deutschland sei. Mit solchen Thesen liefert er denen Material in die Hand, die in einem gesellschaftlichen Zustand, der von Konkurrenzdruck und Leistungszwang geprägt ist, auf vereinfachende Theorien zurückgreifen wollen. Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, die Einteilung von Menschen in brauchbar oder unnütz (will heißen: für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“), sind soziale Phänomene, welche nicht biologisch erklärbar sind, sehr wohl aber sozial veränderbar.

Falsche Fragen, falsche Antworten!

„Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?“, „Wie viel verträgt es?“
Diese Fragen stellt die NOZ als Einleitung in ihrem Artikel zur Podiumsdiskussion. Wir sind der Meinung, dass schon dort die falschen Fragen gestellt werden und von Sarrazin nicht die richtigen Antworten erwartet werden können. Es geht nicht darum, die Frage nach dem „Brauchbaren“ an Zuwanderung zu stellen. Besser sollte sich Deutschland in die Pflicht nehmen MigrantInnen aus humanitären Gründen aufzunehmen, statt diese nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit zu kategorisieren und gegebenenfalls auszuweisen. Das Wort „vertragen“ schafft schon ein Gefühl der Angst, dass beispielsweis „die Anderen“ „uns“ bald in Strömen überfluten. Fakt ist, dass die Bundesrepublik, unter den Europäischen Ländern, bei der Aufnahme von Schutzsuchenden lediglich im Mittelfeld liegt und 86 Prozent aller Geflüchteten in den sogenannten „Entwicklungsländern“ bleiben um sich nicht zu weit von dem Fluchtland zu entfernen.
„Und auf welche Weise?“
Besser nicht auf die Weise, MigrantInnen als „bildungsfern“ und „intergrationsunwillig“ zu deklarieren. Lieber ein Leben für MigrantInnen und Geflüchtete ohne Residenzpflicht, Sammelunterkünfte, Abschiebungen und rassistische Diskriminierung.

Falsches Leben, richtige Fragen!

Überall dort, wo RassistInnen versuchen ihre Meinung kund zu tun, müssen wir uns ihnen in den Weg stellen und sie an ihrer Agitation hindern. Ebenso müssen wir uns mit betroffenen MigrantInnen und Selbstorganisationen von Geflüchteten solidarisieren und sie unterstützen. Es ist wichtig für bessere Lebensbedingungen dieser Menschen zu kämpfen.
Wo wir schon beim Fragestellen sind – wieso nicht mal die richtigen stellen: Wir müssen der Frage nachgehen, welche Verhältnisse es überhaupt erst möglich machen, dass über 50 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Was treibt die Menschen dazu ihre Wohnorte zu verlassen und gefährliche Wege mit ungesicherten Perspektiven auf sich zu nehmen? Anstatt MigrantInnen zu dämonisieren und als potentielle Gefahr für Deutschland zu betrachten, wäre es sinnvoll einen gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen, in dem überlegt wird: wie kann geflüchteten Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht werden? Merkel sagte einmal: „Integration ist keine Einbahnstraße.“ Das ist vollkommen richtig, denn es ist zu fragen, was die Mehrheitsgesellschaft für Minderheiten tun kann um ein friedliches und respektvolles Miteinander zu schaffen.
Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch, egal welches Geschlechts, welcher Religion, Herkunft, Klasse oder sexuellen Orientierung, fernab von Verwertungslogiken, nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen leben kann ist anzustreben.

Rassistischer Hetze entschieden entgegen treten!

Gesellschaftliche Verhältnisse kritisieren!

Sozialistische Perspektiven schaffen!
Rassismus tötet